…Empfindungen, die einen wahrhaftig überwältigen und ebenso Leidenschaften drücken wir nicht aus und teilen sie nicht mit. Daher ist die tief empfundene Traurigkeit echt und stumm… woraus sich ergeben würde, dass ein lautstarker Gefühlsausbruch womöglich nicht die erwartete Intensität in sich beherbergen würde – ist es tatsächlich so? Kann dies auf alle Emotionen, die tief in dem Ur-Dasein des Menschen sitzen, übertragen werden? Was ist mit Verliebtheit oder Freiheit, oder gar Freude und Glück?
Bedeutet das Nachdenken über das Leben vielleicht, sich eigentlich auf das Ende vorzubereiten? Ist denn das Ende so sicher? Ist es vertraut… oder eher fremd? Fern? Oder doch so nah.
Wenn eines oder vielleicht sogar das höchste Bestreben des Menschen darin bestünde, Glück oder Freude zu empfinden, müssten sohin alle Gedanken über das Ende verdrängt werden. Jede glückliche Empfindung würde durch das Bewusstsein des „Lebensabschlusses“ untergraben werden… Aber das, was wir als den Tod bezeichnen, ist doch allgegenwärtig. Völlig unerwartet und jederzeit kann er sich erkennbar machen und das Leben beenden. Diese Unvorhersehbarkeit erfordert doch daher erst recht, sich damit auseinanderzusetzen… statt es zu verdrängen…
Dient die Vorbereitung auf den Tod womöglich doch zur Vorbereitung auf die wahre Freiheit; in der Tat – wenn der Verlust des Lebens nicht als Unglück betrachtet wird, so ist für den Lebenden kein Unglück vorhanden. Das Streben nach einem geistigen Zustand, der es ermöglicht, jederzeit Abschied zu nehmen, ohne die unverwirklichten Träume oder Gelegenheiten zu bedauern, ist wertvoll.
La vraie liberté c’est de pouvoir toute chose sur soi. (Michel de Montaigne)
…Encore faut-il pousser une porte pour savoir qu’elle nous est close. (MdM)